Flagge / Fahne / Symbol für Asexualität

Asexualität – Wenn Sex keine Rolle mehr spielt

Lange Zeit glaubte man, es gäbe nur drei verschiedene Sexualitäten: Die Heterosexualität, die Bisexualität und die Homosexualität. Doch mit der Zeit, in der unsere Gesellschaft immer aufgeklärter wurde und wir mehr und mehr an Toleranz dazugewannen, zählten die Wissenschaftler neben den genannten Sexualitäten noch ein vierte Sexualität auf: Die Asexualität. Einigen der Leser wird die Begrifflichkeit sicher nicht fremd sein, auch wenn die meisten Menschen gar nicht wissen, worum es sich dabei genau handelt. Aus diesem Grund soll im Folgenden darüber umfassend und vorurteilsfrei aufgeklärt werden.

Allgemeine Informationen

Während Heterosexualität die Sexualität zwischen Mann und Frau, die Homosexualität die Sexualität zwischen Frau und Frau bzw. zwischen Mann und Mann beschreibt, ist die Asexualität keines davon. Es gibt bisher keine genaue wissenschaftliche Definition, doch wenn jemand asexuell ist, heißt das, dass er sich zu keinem Geschlecht sexuell hingezogen führt. Es handelt sich also um eine Person, die nicht von den typischen Geschlechterreizen angesprochen wird, weder von männlichen noch von weiblichen. Ganz wichtig ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass diese Art der Sexualität, genauso wie die Homosexualität oder ähnliches, auf keinen Fall eine Krankheit ist und auch nicht als solche betrachtet werden darf. Ein Versuch, zu begründen, wieso ein Mensch asexuell ist, wird weiter unten vollzogen.

Merkmale

Wie für jede Orientierung im Leben, gibt es auch für diese Art der Sexualität gewisse Merkmale, die eine Person als solche beschreiben. An erster Stelle ist das zu nennen, was oben bereits aufgezeigt wurde, nämlich die fehlende sexuelle Anziehung einer anderen Person auf sich selbst. Dies lässt sich fortführen, und zwar haben die besagten Leute auch nicht das Verlangen, den sexuellen Akt zu vollführen. Ihnen ist das Ganze eher unangenehm und sie fühlen nicht die Glücksgefühle, die ein Heterosexueller beispielsweise fühlt. Ebenso bleibt bei asexuellen Menschen die Selbstbefriedigung in den meisten Fällen komplett aus, denn sie empfinden daran nichts Positives und keine Freude. Sex spielt also wirklich keine Rolle in ihrem Leben.

Wie erkenne ich, ob ich diese Asexuell bin?

Die offizielle Statistik sagt, dass weniger als 1 Prozent der Weltbevölkerung asexuell sind. Und oftmals stellen sich Menschen die Frage, ob sie vielleicht auch dazugehören und gehen deswegen vielleicht sogar zum Arzt, weil sie es als eine Krankheit vermuten. Doch auch ein Arzt kann nur schwer sagen, welche sexuelle Neigung man hat. An erster Stelle muss das jeder für sich selbst herausfinden, denn jeder Mensch ist genau so perfekt, wie er ist. Die Meisten finden in der Pubertät heraus, dass sie diese oder eine andere sexuelle Neigung haben. Sie behalten sie dann auch das ganze Leben, denn so etwas ist fast immer angeboren.

Die Ursache

Wie immer in der Wissenschaft, versuchen Forscher für alles das, was der von ihnen gesetzten Norm abweicht, eine Erklärung zu finden. Fakt ist, dass bis heute kaum einer sagen kann, warum nun jemand heterosexuell ist und der andere wiederum homosexuell. Dennoch gibt es einige wissenschaftliche Ansätze, die sich teilweise auch widersprechen oder längst überholt sind.
Man ist sich zumindest darüber einig, dass die besagte Sexualität keine Krankheit ist, für die es ein Medikament gibt. Vielmehr handelt es sich um eine Abweichung im Gehirn, im sogenannten Lustzentrum. In diesem Teilbereich entsteht das sexuelle Verlangen, das uns von der Natur zur Fortpflanzung gegeben wurde. Sind die Gehirnströme in diesem geringer, als im Durchschnitt, steigt die Chance an, selbst betroffen zu sein.
Ebenso wird die eigene Psyche ins Spiel gebracht. Jahrelanger Drogenkonsum falscher Substanzen kann dazu führen, dass gewisse Gehirnstrukturen verfälscht werden, sodass die sexuelle Lust abnimmt. Ebenso wurde bei Kindern, die sexuell Missbraucht worden sind, im Erwachsenenalter eine höhere Wahrscheinlichkeit festgestellt. Doch diese Erkenntnisse sind nicht ausreichend belegt, um sie als Gesetz zu definieren. Sie bestehen lediglich als Theorie und könnten genauso gut in Zukunft widerlegt werden.

Die Beziehung

Eine Frage, die sich der Leser sicherlich schon gestellt hat, ist, ob diese Personen überhaupt eine Beziehung eingehen können, schließlich gehört ein gesundes Sexualleben zu einer glücklichen Beziehung fast immer dazu. Fakt ist, und das bestätigen die besagten Persönlichkeiten alle, dass es für sie viel schwieriger ist, eine intakte Partnerschaft zu haben. Gerade dann, wenn ein Partner sexuelle Befriedigung haben möchte, dem anderen das unangenehm ist und er das gar nicht möchte. Dennoch ist es absolut möglich, eine erfolgreiche Beziehung als Asexueller einzugehen, was unzählige Beispiele beweisen. Die Beziehung beruht dann primär nicht auf sexueller Anziehung, sondern zum Beispiel auf intellektueller Ebene. Wichtig dabei ist nur, dass sich beide Partner auf derselben Ebene befinden, und keiner ein Bedürfnis verstecken muss, das er eigentlich hat. Denn auch wenn man glaubt, seine Bedürfnisse nicht ausleben zu müssen, so werden sie doch eines Tages hochkommen, und das könnte die Beziehung zerstören. Aus diesem Grund ist eine gelungene Kommunikation über die eigenen sexuellen Neigungen und Interessen essenziell.

Tipps und Tricks

‚Anders‘ zu sein, ist nicht immer leicht. Vor allem dann, wenn der Großteil um einen herum einen nicht versteht. Aus diesem Grund sollen nun einige Tipps und Tricks genannt werden, die einer asexuellen Person das Leben leichter machen.

1. Sich nicht verstellen
Jeder Mensch ist so, wie er ist, genau richtig. Es hat keinen Zweck, sich zu verstellen oder jemanden zu spielen, der man gar nicht ist. Der erste Schritt ist deshalb, sich selbst zu akzeptieren und zu verstehen. Denn dann werden das auch die anderen Leute tun.

2. Gleichgesinnte finden
In Zeiten des Internets ist es nicht mehr so schwer, sich mit gleichgesinnten zu vernetzen. Mit ihnen kann man Erfahrungen austauschen, Freundschaften aufbauen und sich gegenseitig unterstützen. Denn wenn man Leute um sich herum hat, die einen verstehen, wird man merken, dass es überhaupt nicht schlimm ist.

3. Darüber reden
Sich zu verstecken bringt nie etwas. Viel besser ist es, es nicht vor seinen Freunden und der Familie zu verschweigen, sondern offen damit umzugehen. Denn oftmals sind die Leute um einen herum viel toleranter, als man es eigentlich gedacht hat. Und immer dann, wenn man über etwas redet, geht es einem hinterher auch wieder besser.

Fazit

Alles in allem sollte mit diesem Artikel ein Überblick über das Thema gegeben werden. Diese Personen haben es deutlich schwerer eine Beziehung zu führen, doch wenn sie es geschafft haben, verstehen die Partner sich auf einer ganz anderen, emotionalen Ebene. Zusammenfassend ist die Asexualität also eine Art der Sexualität, die genauso normal ist wie die Homosexualität, Bisexualität oder Heterosexualität.