Devot trifft auf Dominanz

Devot – Warum sich immer mehr Frauen als devot bekennen

Jeder kennt den Film „Fifty Shades of Grey“ – ein Welterfolg, der Millionen von Männern und Frauen dazu gebracht hat, genauer über Sexualität und ihre Haltung zu Dominanz und Devotion nachzudenken. Devotion ist das Gegenstück zu Dominanz: Devote Menschen geben sich in ihrer Beziehung hin, unterwerfen sich, lassen sich dominieren. Diese Veranlagung gibt es bei beiden Geschlechtern, bei Frauen ist es jedoch aktuell mehr im Gespräch.

Bedeutungsschwangeres Wort

Fast jede/r meint mit dem Wort „devot“ etwas Anderes. Selbst im Zusammenhang mit den Sexpraktiken Bondage und Sado-Maso (BDSM) kann einerseits „sklavisch“, „hündisch“ oder „fußfällig“ gemeint sein. Hier können Klapse an den unterwürfigen Partner vergeben werden, Peitschenhiebe auf den Rücken knallen oder bis zur Bewegungsunfähigkeit gefesselt werden. Andererseits kann sich auch jemand als devot bezeichnen, der seinen Partner gewähren lässt, ihm folgt, es sich gefallen lässt, sich hingebungsvoll verhält. Diese Bandbreite der Bedeutung macht es nötig, beim Partner oder der Partnerin zu ergründen, was er oder sie unter Devotion verstehen.

Der Reiz der Unterwürfigkeit

Es gibt da draußen Männer wie auch Frauen, die sich abseits vom Emanzipationsgedanken in eine spielerische Abhängigkeit begeben. Wir sprechen dabei nicht von struktureller Ungleichbehandlung der Geschlechter, wobei hier eine Ursache für solche Rollenspiele durchaus zu finden wäre. So gibt es Frauen, die erfolgreich ihrem Beruf nachgehen, selbstbewusst sind und auch so auftreten. Dennoch wird dem Partner gegenüber eine andere Position eingenommen.

Ihm gegenüber zeigt sie sich ergeben und folgsam. Oft soll durch diese Rollenverteilung der Alltag entkompliziert, eine geistige Auszeit in Anspruch genommen werden. Wer sich devot verhält, muss weniger nachdenken und geht in dieser Sichtweise auch eine „tiefere“ Beziehung ein. Denn wer freiwillig ergeben ist, muss als Grundvoraussetzung bedingungsloses Vertrauen in seinen Partner haben. Bedingungslose Liebe ist Hingabe.

Rollenspiel vs. tiefsitzende Überzeugung

Formen von Beziehungen mit unausgeglichener Dominanz zwischen den Partnern gibt es viele. Anzusprechen sind dabei lose Sex- und feste Liebesbeziehungen. In diesen Partnerschaften sind wiederum die Parameter Zeit, psychologische Prägung und Risikobereitschaft von Bedeutung.

A) Lose Sexbeziehungen

Ein Paradebeispiel ist die Verbundenheit zwischen einem gutverdienendem Mann mit viel Verantwortung im Job und einer Domina. Diese nimmt ihm jedwede Verantwortung für den Moment ab und verbindet ihr Dominanzspiel mit sexueller Befriedigung. Letztere kann auch darin bestehen, sie zu verwehren.

Doch auch Frauen lassen sich darauf ein, eine Affäre mit einem dominanten Mann zu genießen. Dabei müssen sie nicht auf die Gefühle eines festen Freundes oder Ehemann eingehen, keine Kompromisse finden, kein gemeinsames Leben planen. Grundlage ist einzig und allein das erotische Spiel. Viele devote Frauen lassen sich dabei auf hemmungslosen und harten Geschlechtsverkehr ein, der animalischen Trieben gerecht wird und somit eine echte Abwechslung zum Sex aus Liebe und Verbundenheit darstellt.

B) Feste Liebesbeziehungen

Hier ist ein Zurückhalten der feministischen Debatte kaum zu vermeiden: Viele Frauen haben auch heutzutage noch eine geschlechterspezifische Vorprägung. Diese kann darin bestehen, sich dem Partner in allen Belangen unterzuordnen, mitunter die Karriere für ihn aufzugeben und Erfüllung in Kindererziehung und Haushalt zu finden. Dafür bedarf es oft keiner Worte des männlichen Gegenstücks, vielmehr ist die Rollenverteilung statisch vorgegeben – man ist sich ohne Worte einig über das „Richtige“.

Was sich negativ konnotiert liest, ist es für Millionen Männer und Frauen keinesfalls. Sie wünschen sich eine Hierarchie zwischen den Geschlechtern, ungeachtete der Ursache, ungeachtet ihres Wissens um die weibliche Emazipation. Nach der Lektüre oder des Anschauens von „Fifty Shades of Grey“ sind sie in ihrem Weltbild noch gefestigter und lassen sich von ihrem Partner führen; geben die Verantwortung ab. Und sind glücklich damit.

C) Zeitweise Neigung zur Devotion

Dies kennen viele Leser/innen aus ihrem Freundeskreis: Es gibt eine Neigung, sich zeitweise als unterwürfig zu zeigen. Das heißt, es gibt eine eindeutige Trennung von harmonischer, gleichberechtigter Partnerschaft und der zeitweisen Devotion im Sexualleben. In Letzterem können die angesprochenen Fetische rund um Fesselerotik und sado-masochistischer Veranlagung ausgelebt werden. Doch auch nicht unbedingt in jeder Situation. Viele Frauen mit devoter Veranlagung wollen es sich situationsabhängig aussuchen, ob sie heute eine ergebene Sexsklavin sind und sich morgen eben holen, was sie brauchen, also die Rolle sogar umkehren.

Diese vielen Möglichkeiten des menschlichen Verhaltens machen es umso drängender, sich über das Thema zu unterhalten. Selbst wem es ein wenig peinlich vorkommen mag, sollte seinem Partner mit offenen Worten begegnen, das Risiko eingehen. Das gilt für One-Night-Stands ebenso wie für langjährige Ehen, deren Sexleben vielleicht etwas eingeschlafen ist. Das kann man auch indirekt tun – etwa, indem man sich „50 Shades of Grey“