Ghosting – Definition, Anzeichen und beste Reaktion

Fast jedem ist folgendes Szenario schon einmal unterlaufen: Man trifft sich mit einer neuen Bekanntschaft und versteht sich scheinbar blendend. Doch ganz plötzlich und ohne jede Vorwarnung meldet der andere sich nicht mehr. Oder aber es hat sich umgekehrt zugetragen und man selbst hat den anderen ohne Erklärung zurückgelassen. Hierbei handelt es sich keineswegs um ein neues Phänomen, doch heute gibt es eine Bezeichnung für den plötzlichen Kontaktabbruch: Ghosting. Was es damit genau auf sich hat, soll nachfolgend genauer erklärt werden.

Was ist Ghosting – Definition

Ghosting ist ein englischer Begriff. Ghost bedeutet übersetzt so viel wie Geist oder Gespenst. Ähnlich wie ein Geist verschwindet jemand plötzlich aus dem Leben eines anderen Menschen, so als hätte es ihn oder sie nie gegebenen. Wer geghostet wurde, leidet oftmals unter einem beklemmenden Gefühl der Ungewissheit. Kennzeichnend für Ghosting ist, dass man niemals eine Erklärung für den Kontaktabbruch erhält. Dies macht es so schwer, mit dem Verlust abzuschließen. Jemanden zu ghosten ist demzufolge ziemlich gemein und wenig wertschätzend. Dennoch geschieht es immer wieder.

Derjenige, der den Kontakt nicht mehr wünscht, macht es sich ziemlich einfach. Er erspart sich die Auseinandersetzung, die normalerweise bei einer Trennung stattfindet. Plötzlich ist derjenige nicht mehr unter seiner Telefonnummer zu erreichen und reagiert nicht mehr auf SMS oder Post. Am häufigsten werden übrigens (Ex-)Partner geghostet. Manchmal kommt es aber auch unter Freunden oder sogar innerhalb der Familie vor.

Die möglichen Ursachen von Ghosting

Nachdem wir nun die Frage „Was ist Ghosting?“ beantwortet haben, wenden wir uns nun den möglichen Ursachen zu. Nach dem Verlust eines wichtigen Menschen sucht man nach Erklärungen. Letztere erhält man beim Ghosting in der Regel nicht direkt. Die Ursachen können verschiedener Natur sein, dennoch tauchen häufige Muster auf.

Am häufigsten findet Ghosting nach einem oder mehreren Dates statt, also in einer potenziellen Partnerschaftskonstellation. Wenn eine Partei bemerkt, dass es beziehungstechnisch doch nicht passt, ist es die bequemste Lösung, sich einfach nicht mehr zu melden. Manche Menschen ghosten aus Scheu vor einer Auseinandersetzung. Wenn sie erklären würden, dass sie sich eine Beziehung nicht vorstellen können, müssten sie eventuell mit Gegenargumenten und Überzeugungsversuchen rechnen. Viele wollen sich derart kräftezehrende Gespräche ersparen.

Allerdings ghosten manche Menschen auch ihre langjährigen Partner. Dies ist natürlich noch schmerzhafter, als wenn man sich ohne Abschied von einer Datebekanntschaft zurückzieht. Wer in einer langjähringen Partnerschaft oder Ehe ohne Erklärung einfach verschwindet, kämpft möglicherweise gerade mit einer Lebenskrise, sich selbst oder die Beziehung betreffend. Unzufriedenheit, Frust und das Gefühl, etwas verpasst zu haben, spielen nicht selten eine Rolle.

In einigen Fällen hat auch der Geghostete etwas zur Situation beigetragen. Ein Beispiel: Man hat entdeckt, dass der Ehepartner über viele Jahre fremdgegangen ist. In diesem Fall mag der Gedanke naheliegen, dass der untreue Partner es nicht besser verdient hat, als geghostet zu werden. Das Verschwinden ohne Erklärung dient somit als Racheakt, damit der andere leidet.

Tatsächlich kann die Verhaltensweise des Ghostings aber auch von unverarbeiteten Traumata herrühren. Wer Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen erlebt hat, fürchtet sich vielleicht schnell, wenn Menschen ihm oder ihr zu nahe kommen. Diejenigen dient somit als Selbstschutz. In der Regel wird aber eher aus Bequemlichkeit geghosted. Der Mensch, mit dem man sich nicht mehr treffen möchte, wird einfach nicht genug wertgeschätzt, um ihm die Gründe zu erklären und sich anständig zu verabschieden.

Auf welche typischen Anzeichen sollte man achten?

Es ist schwierig, typische Anzeichen zu nennen. Wie bereits erwähnt, geschieht Ghosting oftmals plötzlich und ohne jedwede Vorankündigung. Wenn man es feststellt, ist es häufig bereits zu spät. Wer aufmerksam ist, kann jedoch möglicherweise Warnsignale erkennen. Bei einer Datebekanntschaft sollte man auf die leisen Zwischentöne im Rahmen der Konversation achten. Wer beabsichtigt, den anderen zu ghosten, möchte sich häufig nicht festlegen, wann das nächste Treffen stattfindet oder wie man in Zukunft in Kontakt bleibt. Vage Aussagen wie „schauen wir mal“ oder „mal sehen“ können Warnsignale sein. Auch das Versprechen „ich melde mich“ kann dazu dienen, den anderen lediglich ruhigzustellen.

Möglich ist es auch, dass der Kontakt schleichend abnimmt und alle Bemühungen, die Beziehung oder Freundschaft auszubauen, einseitig sind. Wer verliebt ist, nimmt häufig nicht wahr, wenn der andere mangelndes Interesse zeigt. Hier können Hinweise und Beobachtungen von Freunden oder Familie helfen, die neutral auf die Situation blicken können.

Wie sieht die beste Reaktion aus, wenn man einem Ghost zum Opfer gefallen ist?

Ein plötzlicher Kontaktabbruch reißt dem Betroffenen sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Dies gilt besonders dann, wenn man bereits in Zukunftsvorstellungen geschwelgt hat, die nun unwiederbringlich verloren sind. Die beste Reaktion ist, seine Gefühle nicht zu verbergen. Trauer und Wut brauchen ein Ventil. Dies kann zum Beispiel das Gespräch mit einer Vertrauensperson sein. Auch Sport und kreative Tätigkeiten können dabei helfen, den Schmerz erträglicher zu machen.

Das Wichtigste beim Ghosting ist es, einen Schlussstrich zu ziehen. Ohne Erklärung erscheint dies zunächst eine Sache der Unmöglichkeit zu sein. Wir wollen wissen, warum es passiert ist und wie wir es hätten verhindern können. Damit Herz und Seele heilen können, steht an erster Stelle die Akzeptanz, dass es eine solche Erklärung niemals geben wird. Die Suche nach dem Warum führt zu nichts und erschöpft lediglich die Kraftreserven.

Für manche Menschen ist es nötig, eine letzte Nachricht an den Ghoster zu verfassen und ihm mitzuteilen, wie respektlos man sein Verhalten findet. Dies dient als heilender Abschluss für den Geghosteten selbst. Es ist somit unerheblich, ob der Ghoster die Nachricht zur Kenntnis nimmt. Ein bewährter Tipp ist es, einen Brief zu schreiben und diesen symbolisch zu verbrennen.